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Sprachtheoretiker wie Saussure,
Whorf, Austin, Chomsky haben im 20. Jahrhundert systematisiert, was
Sprachphilosophen des ausgehenden 18. und beginnenden 19.
Jahrhunderts bereits ziemlich gründlich vorgefaßt haben.
Das
Problem, daß Sprache zwischen dem Ich und der Welt vermittelt,
schließt an die Kantische Frage nach der Grundbefindlichkeit des
menschlichen Daseins unmittelbar an. Nur wird sie anders gelöst:
eher mit mehr Respekt vor den individuellen Ausprägungen als mit dem
Verweis auf universelle Verbindlichkeiten. Je mehr man die
Auffassung von Sprache differenziert, desto mehr fallen die Bereiche
von Sprache und Welt auseinander. Ihre Vermittlung ist anscheinend
ebenso notwendig wie der Zusammenhang von Sprache/Sprechen und
Denken problematisch.
Der Bezug zwischen Sprache und Welt bzw. Sprache und Denken wurde
in der Philosophie immer schon problematisiert. Bereits im
Mittelalter galt die Kritik etwa den spekulativen Abstraktionen
("Universalien") und theologischen Ideen, denen nichts Reales in der
Welt entspricht (= Position des antimetaphysischen
Nominalismus im sogenannten Universalienstreit
>>> dazu hier ein Text).
Neue
Sprachwissenschaft
Das beginnende
neunzehnte Jahrhundert entdeckt neue "Sprachwelten": die ägyptischen
Hieroglyphen werden entschlüsselt, das Sanskrit wird
wissenschaftlich erschlossen. Es enstehen systematisch
(Friedrich Schlegel) bzw. historisch
(Jacob Grimm) vergleichende Sprachwissenschaften.
Man wird dann besonders gegen Mitte/Ende des 19. Jahrhunderts
versuchen, die Denkgesetze aus einer Zergliederung sprachlicher
Ausdrücke zu gewinnen (Logik, Grammatik, Sprachwissenschaft) und
erörtert derart den Zusammenhang von Denken und Sprechen. Dies wird
zur bekannten Auffassung Wittgensteins führen, daß man nicht
außerhalb seiner Sprache denken kann. Dieser Linguistic
Turn, die sprach- philosophische Wende der Gegenwartsphilosophie (Richard Rorty 1992), bedeutet den Übergang von der Vorstellung, daß das Denken einer verborgenen Struktur der Dinge folgt, zu derjenigen, daß das Denken einfach der Struktur der Sprache entspreche.
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Vernunft/Struktur der Sprache
Diese These ist vorbereitet bei Wilhelm
von Humboldt
, der den Übergang von der Vernunft zur Sprache in der Hinwendung zur individuellen Erscheinungsform vollzieht, in der sich der menschliche Geist entfaltet: die einzelne Sprache ist historische Bedingung des Denkens.
Von 1795 stammen die
Reflexionen "Über Denken und Sprechen", und 1830 entsteht die
berühmte Einleitung zum sogenannten Kawi-Werk - die
Abhandlung: "Über die Kawi-Sprache auf der Insel Java, nebst einer
Einleitung über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaues und
ihren Einfluß auf die geistige Entwicklung des
Menschengeschlechts".
In der
Kontrastierung von historischer Ausprägung oder dem jeweiligen
"Verständigungsmittel" und der grammatischen Tiefenstruktur oder dem
"Wesen der Sprache" wird Sprache in ihrer zweifachen
Natur von konkret Gesprochenem und abstraktem Sprachkonzept
dargestellt: als "geistiger Akt im Sprechen und Verstehen" wie auch
als Struktur, ein durch diesen Akt erzeugter "zwar nie außer dem
Menschen, aber immer außer dem einzelnen vorhandener Stoff".
Das ist eine
Transformation der Transzendentalphilosophie im Sinne einer
Kommunikationsanthropologie, die sich methodisch induktiv den
Einzelphänomenen widmet (Hermeneutik). Humboldt denkt schon über die
Struktureigenschaften der Sprache selbst nach: "Sprache ist das
Organ des Denkens", sie determiniert unsere Weltsicht und ist das
dialogische Prinzip unserer menschlichen Existenz. Die Sprache wird
als geistiger Akt immer wieder neu erzeugt, allerdings aufgrund von
Prämissen, über die der Mensch keine Gewalt hat - eher übt die
Sprache eine Art Gewalt gegen den Menschen aus:
"Der Mensch
lebt mit den Gegenständen hauptsächlich, ja, da Empfinden und
Handeln in ihm von seinen Vorstellungen abhängen, sogar
ausschließlich so, wie die Sprache sie ihm zuführt."
Der Mensch spricht
die Sprache ebenso, wie die Sprache den Menschen spricht; ein
Gedanke, der in der strukturalen Sprachwissenschaft
des 20. Jahrhunderts zur Entfaltung kommen sollte. Das Denken wird
dabei nicht nur allgemein als von der Sprache abhängig gesehen,
sondern auch "von jeder einzelnen bestimmten". Das heißt nicht nur,
daß unsere Weltsicht von der Sprache mit determiniert ist (eine
später auch nationalistisch ausgebeutete These!), sondern impliziert
auch, daß Sprachphilosophie ein Philosophieren nicht über die
Sprache, sondern mit der und durch die Sprache ist.
Sprache garantiert
die Verbindung zwischen Subjekt (Mensch) und Objekt (Welt). Dieser
Ansatz, die sogenannte Sprachabhängigkeitsthese, oder die
Vorstellung, Sprache übe eine sonderbare Gewalt gegen den Menschen
aus, wird von Fritz Mauthner (1849 - 1923) radikalisiert:
Erkenntniskritik sollte ganz zur Sprachkritik
werden. "Kritik der Vernunft muß Kritik der Sprache werden. Alle
kritische Philosophie ist Kritik der Sprache." (vgl. nächstes
Thema)
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