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1.3. Kants Subjektphilosophie
Die Bestimmungen der Transzendentalphilosophie |
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Das Orientierungsgefüge der Neuzeit weist einige gravierende Veränderungen aus, die in
der Philosophie in der Erfahrung der menschlichen "Endlichkeit" ihren
Niederschlag finden:
Kosmische Entdeckungen - das heliozentrische Weltbild relativiert die
Stellung der Menschen im Kosmos
Territoriale Entgrenzungen - Kreuzzüge,
Entdeckungen und Eroberungen verändern das Weltbild durch den
Kontakt mit anderen Kulturen
Neue Kulturtechniken - Druck, Zeitungen, Bücher, Lesegesellschaften
und die Alphabetisierungswelle haben entprovinzialisierende
Wirkung
Dekontextualisierung der Reflexion - der
universalistische Anspruch der Aufklärung vereint die Denker
jenseits sozialer Zwänge in der Verpflichtung auf die
Gelehrtenrepublik, in welcher das Denken eigenständig sein soll und
die Wahrnehmung kosmopolitisch.
Damit stellt sich die Frage, was wir überhaupt mit Sicherheit von
der Welt wissen können. Die Frage als solche ist ein Produkt des
dualisierenden Denkens, welches die Wirklichkeit in
Geist
und Materie, in Natur und Bewußtsein trennt. Kultur und Gesellschaft werden dabei nicht mehr
statisch gesehen, sondern dem Fortschrittsdenken unterworfen – einem wissenschaftlichen Fortschrittskonzept, das nicht allein auf
empirischem Wissen (Beobachtung) beruht, sondern auch auf der Entwicklung von Theorien, die den Rahmen möglicher
Erfahrung neu abstecken. Dem Zeitalter der Aufklärung wird damit auch deutlich, daß ein verbindlicher Zusammenhang
zwischen Theorie und Praxis (bzw. zwischen subjektiver Wirklichkeit und objektiver Welt) verlorengegangen ist; im
'modernen' Subjekt soll dieser Zusammenhang neu gestiftet werden.
Transzendentalphilosophie
In Immanuel Kants kritischer Philosophie drückt sich eine
Entdeckung aus, die das Empfinden des 18. Jahrhunderts zum Ausdruck
bringt: die grundsätzliche Mediatisiertheit der Welt, die uns nicht
direkt gegeben ist, sondern über spezifische Kategorien vermittelt.
Mit seiner Transzendentalphilosophie fragt Kant nach den
"Bedingungen der Möglichkeit" von Erkenntnis.
Diese Bedingungen müssen apriori gegeben sein, als Bedingungen
die im Wesen des Menschen selbst
liegen, bevor dieser irgendwelche Erfahrungen macht (darum heisst es auch
"reine" Vernunft). Kants Antwort auf die Frage nach dieser
allen "Vernunftwesen" gemeinsamen Voraussetzung liegt in der
Bestimmung der transzendentalen Subjektivität, die durch die
ästhetischen und die logischen Kategorien gegeben wird. Hiermit
werden sozusagen die Regeln des Denkens bestimmt – damit unser
Verstand aus den Erfahrungselementen eine Erkenntnis synthetisieren
kann, muß er diese mittels der Kategorien verknüpfen. Es gibt keine
äußere Garantie für Erkenntnis, die wird also vom Subjekt selbst
"gestiftet": die Welt zerfällt in ein "An sich" und ein "Für uns",
da wir die Dinge eben nicht erkennen können, wie sie an sich sind,
sondern nur anhand ihrer Erscheinung (phaenomena): Denken folgt
seinen eigenen Gesetzen, nicht einer verborgenen Struktur der
Dinge, Erkenntnis wird als ein Akt des Subjekts
durchschaut, die Welt ist eine vermittelte, nicht unmittelbar
wahrgenommen.
Es ist letztlich das Ich, das reflexive
Bewußtsein, das diese Welt zusammenhält: im "Ich" sammelt sich
die Welt, und dieses subjektive Ich "bindet die verschiedenen
Wahrnehmungen zusammen, so daß sie eine Einheit bilden. Kant
versucht, diese bindenden Aktivitäten mit Genauigkeit zu
verzeichnen. Für ihn sind diese Tätigkeiten wirklich das Selbst."
(Gellner 1995)
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Immanuel Kant (1724-1804): Woher kommt diese
menschliche Fähigkeit zum Hervorbringen von Erkenntnissen und zum
richtigen Handeln, die nicht identisch ist mit dem bewußten Willen
des Einzelnen, aber doch wieder jedem einzelnen Willen zu eigen
ist?

"Bisher nahm man an, alle unsere
Erkenntnis müsse sich nach den Gegenständen richten; aber alle
Versuche über sie a priori etwas durch Begriffe auszumachen, wodurch
unsere Erkenntnis erweitert würde, gingen unter dieser Voraussetzung
zunichte. Man versuchte es daher einmal, ob wir nicht in den
Aufgaben der Metaphysik damit besser fortkommen, daß wir annehmen,
die Gegenstände müssen sich nach unserem Erkenntnis richten" - aus
Kants Vorrede zur
>>> "Kritik der reinen Vernunft"
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Dreigeteilte Vernunftkritik
Mit der Moderne entwickelt sich ein
dezentriertes Weltverständnis, die Wissensbereiche spalten sich auf - Wissenschaft, Politik und Kunst
gehen ihren je eigenen Weg in die entzauberte
"Expertenkultur" (frei nach Habermas' Erörterungen zum nachmeta- physischen Denken).
Der architektonische Aufbau von Kants dreifacher
Vernunftkritik folgt im gleichsam zeitdiagnostischen Reflex diesem
Schema:
| Vernunftfragen |
Diskursform |
Wertsphäre |
Kants Kritik der |
Kulturen der Moderne |
| Was kann ich wissen? |
Kognitiv: Theorie |
Das Wahre |
reinen Vernunft |
Wissenschaft, Technik |
| Was soll ich tun? |
Normativ: Praxis |
Das Gute |
praktischen Vernunft |
Recht und Moral |
| Was darf ich hoffen? |
Ästhetik |
Das Schöne |
Urteilskraft |
Kunst und Kritik |
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Überblick zu einigen Schriften Kants
1766 - Träume eines Geistersehers, erläutert durch Träume der
Metaphysik
Gegen den Betrug an der Vernunft, den 'Geisterseher' wie Emanuel
Svedenborg geleistet haben: eine Art Pamphlet gegen Esoterik und Parapsychologie, als
vorbereitende Lektüre zur großen Vernunftkritik bestens geeignet.
1781 - Kritik
der reinen Vernunft
Untersuchung über die Bedingungen der Möglichkeit der Erkenntnis,
die nicht in der objektiven Welt liegen, sondern im Subjekt selbst, als eine Art
angeborenen Filter der apriorischen Ideen: das Chaos der Sinneswahrnehmung wird durch
ästhetische Kategorien (Raum/Zeit), logische Kategorien (Urteilsformen der Quantität,
Qualität, Relation, Modalität) und Ideen der reinen Vernunft (Seele, Welt, Gott)
geordnet. Wir haben es mit einer subjektiven Erscheinungswelt zu tun, die Dinge an sich
lassen sich nicht erkennen.
1783 - Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik
Ein Versuch, die Kritik der reinen Vernunft populär darzustellen.
Lesenswert hinsichtlich der Detailerörterungen zB. zu apriorischen/aposteriorischen
Urteilen.
1784 - Was
ist Aufklärung?
Das berühmte Plädoyer für eine Reform der Denkungsart, die
individuell geleistet werden soll. Forderung der Rahmenbedingungen für Mündigkeit, etwa
die nach publizistischer Öffentlichkeit.
1785 - Grundlegung zur Metaphysik der Sitten
Die Methode aus der Kritik der reinen Vernunft wird auf den Bereich
der Ethik angewandt: führt zur Kritik der praktischen Vernunft
1788 - Kritik
der praktischen Vernunft
Bestimmung der Bedingungen der Möglichkeit von Freiheit: nach den
formalen Bedingungen für das Erkennen wird hier nach denen des Handelns gefragt. Die
Formulierung des inneren moralischen Gesetzes findet einen apriorische Größe, den
kategorischen Imperativ. Daneben bestimmen, als Forderungen der Vernunft, aprioroische
Postulate unser Handeln (die Ideen von Gott, Freiheit und Unsterblichkeit).
1790 - Kritik der
Urteilskraft Die Idee der Zweckmäßigkeit soll Natur- und Freiheitsbegriff
vereinen und die Kritik der reinen mit der Kritik der paraktischen Vernunft vereinen.
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>>> zu den Literaturangaben
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