Aggression
Verhalten wird in zwei Klassen eingeteilt: Einerseits in Verhaltensweisen, welche dem Partner schaden und andererseits in Verhaltensweisen welche dem Partner nützen. Wir beschäftigen uns ausschließlich mit aggressivem Verhalten, welches Schaden verursacht. Es ist eine Fehlannahme, dass es einen Aggressionstrieb gibt, und dass verschiedene Aggressionsarten dieselben Ursache haben beziehungsweise  haben könnten.

 
Definitionen:

Die kognitive Definition: besagt, dass Aggressivität die absichtliche Herbeiführung von aversiven Stimulationen ist. Im weiteren Sinn kommt es zur absichtlichen Beschädigung von Personen oder Gegenständen. Unter Personen können auch menschenähnliche Objekte (zum Beispiel Puppen oder Fotos) verstanden werden.
Die behavioristische Definition beschäftigt sich nur mit den Konsequenzen aggressiven Verhaltens, also der Schädigung. Nach dieser Definition sind die absichtliche wie auch die unabsichtliche Zufügung von Schmerzen oder Kränkungen als aggressive Verhaltensweisen zu bezeichnen.
 

Vorherige Untersuchungen

Deutsch kennzeichnete aggressives Verhalten durch:
 
A: Fremdaggression
  1)  Motivation: Die Auswirkung des eigenen Verhaltens sollen für den Partner möglichst negativ sein.
  2)  konkurrenzorientierte Haltung: die Ergebnisse eines Partners werden im Vergleich zu eigenen Ergebnissen möglichst schlecht dargestellt
B: Selbstaggression
  3)  destruktive Haltung: schädigt beide Partner gleichermaßen.
  4)  Masochismus: Minimierung des eigenen Nutzens.
 
Die lerntheoretische Auffassung besagt, dass einzelne aggressive Verhaltensweisen Operanten sind, welche beeinflusst werden können durch Verstärkung, Extinktion......
Die lernpsychologische Auffassung (nach Bandura und Selg) besagt, dass Aggression durchaus bekämpft werden kann. Aggression ist demnach keine unausrottbare Geisel der Menschheit.

Aggressives Verhalten ist nicht einheitlich bestimmbar. Derselbe Mensch kann in verschiedenen Situationen vollkommen unterschiedlich reagieren. (verbale und motorische Operanten). Form und Häufigkeit sind durch vergangene Erlebnisse beeinflusst.

Experiment (1)
Cowan und Walters
sowie Walters und Brown fanden heraus, dass Kinder die mit Glaskugeln belohnt wurden wenn sie eine lebensgroße Clownsfigur schlugen, eine höhere Schlagfrequenz aufwiesen. Die selben Ergebnisse wurden von Geen und Stonner bei einem Experiment mit erwachsenen Versuchspersonen erzielt.

Extinktion von aggressiven Verhalten ist möglich. Wutanfälle von Kindern können durch Nichtbeachtung gelöscht werden. (Williams)

Aggressives Verhalten wird auch durch Beobachtung gelernt. Selbst kurzzeitige Beobachtung führt zur Speicherung im Gedächtnis, welches nach Monaten wieder abgerufen werden kann. Die Imitationshäufigkeit hängt von den beobachteten Konsequenzen für den Aggressor ab.

Auftreten von Aggression:

Frustrations-Aggressions-Hypothese

DOLLARD, DOOB,  MOWRER UND SEARS

 

Die Theorie besagt, dass Aggression immer und ausschließlich die Wirkung einer Frustration ist und umgekehrt. Jede Störung eines zielgerichteten Verhaltens wird als Frustration bezeichnet.

Diese Theorie ist jedoch umstritten, da in zahlreichen Experimenten (unter anderem von  Bandura) nachgewiesen wurde, dass aggressives Verhalten auch ohne Zielbehinderung oder Wunschversagung auftreten kann.

Daher wird von manchen Psychologen eine veränderte Form der Hypothese vertreten (z. B. Berkowitz). Es wird nicht behauptet, dass Frustration immer Aggression bewirkt und auch nicht dass Aggression immer durch Frustration hervorgerufen wird.  Durch Frustration wird lediglich die Bereitschaft zu aggressiven Handlungen erhöht. Ob es tatsächlich zu Aggressionen kommt, hängt von den situativen Faktoren (Anwesenheit einer geeigneten Stimulusperson etc.) ab. Jedoch wurden in vielen Experimenten „Frustrationen“ vorgenommen, die laut Dollard und Mitarbeitern keine sind. (z B: Beschimpfung der Versuchsperson – keine Behinderung einer zielgerichteten Tätigkeit.)

Man könnte die Hypothese dahingehend modifizieren, dass jedes Ereignis, welches in einer Versuchsperson Ärger oder Wut hervorruft, die Aggressionsbereitschaft erhöht. Die Frustration oder Beleidigung muss als beabsichtigt wahrgenommen werden.

Kulik und Brown betonen die aggressionsfördernde bzw. –hemmende Rolle von Attributionen. Ungerechtfertigte Frustrationen lösen mehr Aggression aus als gerechtfertigte (wenn die andere Person unter Zwang steht und nicht anders handeln kann). Die Kontrollierbarkeit der Frustrationsursache ist daher entscheidend.

 

Schachter’sche Gefühlstheorie

 

Sie besagt, dass jeder Anstieg der Aktivierung, abhängig von der Situation und gelernten Sprachgewohnheiten, unterschiedlich empfunden werden kann. Das lässt die Vermutung nahe, dass jede Erhöhung des Aktivierungsniveaus zu gesteigerter Aggressivität führen kann – aber nicht zwangsläufig muss. Dies wurde durch ein Experiment (2) von Geen und O’Neal bestätigt. ½  der Versuchsgruppe sah einen Boxfilm, die zweite ½ sah einen nicht-aggressiven Sportfilm; die ½ der jeweiligen Gruppe wurde zusätzlich durch Lärm aktiviert. Die Vpn bekamen  die Möglichkeit unter einem passenden Vorwand Kollegen mit Stromstößen zu bestrafen, die höchste Aggressivität zeigte sich bei jenen, die den Boxfilm gesehen hatten und zusätzlich durch Lärm aktiviert wurden.

 

Stehen  in einer bestimmten Situation mehrere Handlungsalternativen zur Verfügung, und ist eine davon dominant (wahrscheinlicher als die andere), so wird diese im Spannungszustand eher auftreten. Dies wurde in einer Untersuchung von  Davitz bewiesen.

Experiment (3): Eine Gruppe von Kindern wurde in Spielsituationen gefördert, kooperatives Verhalten zu zeigen und eine andere Gruppe wurde gefördert, aggressives Verhalten zu zeigen. Nach einer Frustration wiesen die Kinder der ersten Gruppe eine höhere Kooperationsbereitschaft auf und die Kinder der zweiten Gruppe eine gesteigerte Aggression. Daraus lässt sich ableiten, dass Wut und Aggression das Ergebnis eines Lernprozesses sein können.

 

Die Reaktanz ist ein frustrationsähnlicher Zustand. Eine reaktanztheoretische Hypothese besagt, dass Aggression eine mögliche Reaktanzfolge ist.

 

Eine wichtige aggressionsfördernde bzw. hemmende Rolle spielen soziale Vergleiche. Wenn der Vergleich mit anderen Personen positiv auffällt, so wird der Vergleich aggressionshemmend sein und positive Gefühle auslösen. Fällt der Vergleich hingegen negativ aus, so wird er sich eher aggressionsfördernd auswirken und Wut oder Neid auslösen.

 

Dies wurde in einer Studie von Herkner und Schremser (Experiment 4) bestätigt. Personen mit negativen sozialen Vergleichen zeigten ein aggressiveres Verhalten zum Unterschied von Personen, die keine sozialen Vergleiche hatten. Diese jedoch waren aggressiver als Personen mit positiven sozialen Vergleichen.

 

Studie (4): Bei dem Versuch handelte es sich angeblich um die Untersuchung über die Wirkung von Belohnungen auf die Konzentrationsleistung. Vor dem Versuchsbeginn wurden die Vpn. gebeten an einer kleinen Marktforschungsstudie teilzunehmen. Sie mussten Schallplatten auf mehreren Skalen beurteilen. Die Belohnungsplatte war eine der beurteilten Platten. Dann mussten die Vpn. 20 min lang Fehler in einem philosophischen Text suchen.

Einem Drittel der Vpn. wurde vor der Aufgabe mitgeteilt, dass sie als Belohnung eine der Platten erhalten würden. – Bedingung: keine Erwartung, einem weiteren Drittel wurde mitgeteilt, dass jede Vpn. die von ihr am besten beurteilte Platte erhalten würde: Bedingung Erwartung und der 3. Gruppe wurde mitgeteilt, dass jede Vpn. eine Platte auswählen könne – Bedingung: Wahlfreiheit. Nach dem Versuch wurde jeder VP mitgeteilt, dass die Platten gleichmäßig verteilt werden und der Versuchsperson wurde eine bestimmte Platte zugewiesen. Dies erzeugte bei der Gruppe Wahlfreiheit Reaktanz. Die Hälfte der Versuchspersonen aller Gruppen erhielten die attraktivste Platte, die andere Hälfte eine Platte, die am wenigsten positiv, jedoch noch nicht negativ eingestuft wurde. Dadurch wurde in der Bedingung Erwartung Frustration hervorgerufen. Diese 6 Gruppen wurden jeweils nochmals in 3 Untergruppen unterteilt. Bei einer Gruppe wurde ein negativer sozialer Vergleich herbeigeführt. Ein weiteres Drittel erhielt keine Angaben über die Belohnung der anderen Vpn und bei er letzten Gruppe wurde ein positiver Vergleich herbeigeführt. Anschließend mussten die VP mit Punkte Skalen den Versuch und den Vl. beurteilen. Den VP wurde vorher mitgeteilt, dass sich der Vl. um einen Posten bewirbt und seine Anstellung von den Urteilen der VP abhängt. Daher können die Urteile als Aggressionsmaß interpretiert erden. Bei der Beurteilung des Vl traten nur schwache Aggressionen auf, bei der Beurteilung des Versuches jedoch traten stärkere Aggressionen auf.  Personen mit negativen sozialen Vergleichen zeigten ein aggressiveres Verhalten zum Unterschied von Personen, die keine sozialen Vergleiche hatten. Diese jedoch waren aggressiver als Personen mit positiven sozialen Vergleichen. )

 

 

Eine weitere aus dem Triebmodell abgeleitet Theorie ist die Katharsishypothese, welche besagt, dass ein Ausleben der Aggression zu einer vorübergehenden Senkung des Aggressionstriebes führt.

Jedoch kann man aus dem lerntheoretischen Standpunkt dazu sagen, dass eine einheitliche Wirkung des Auslebens von Aggressionen unwahrscheinlich ist. Wenn ausgelebte Aggressionen verstärkt werden, steigt die Aggressionstendenz. Werden diese Handlungen jedoch bestraft oder nichtbeachtet, so wird deren Frequenz eher abnehmen. Green und Quanty untersuchten jedoch dass die Abnahme der Aktivierung nicht mit der Abnahme des Ärgers gleichbedeutend sein muss. Die Aktivierung nimmt nicht ab, wenn

 

  1. die Zielperson mächtiger ist als der Aggressor

  2. die Aggression in einer bestimmten Situation eine unpassende Reaktion ist

  3. wenn der Aggressor zu Schuldgefühlen neigt

 

 

Die symbolische Katharsis ist eine Variante der Katharsistheorie. Durch Betrachten von aggressiven Handlungen sollen die Aggressionen des Zuschauers entladen werden. Dem jedoch wird vorausgesetzt, dass die Aggression anderen Gesetzen gehorcht als andere Triebe. z. B.: sexuelle Wünsche werden durch das Betrachten erotischer Filme nicht schwächer – warum sollte daher Aggressivität durch das Ansehen brutaler Filme abnehmen?

 

Durch viele Experimente ist zu erwarten, dass Aggression nach Beobachtung auftritt. Selten kann eine Aggressionsreduktion nachgewiesen werden.

Berkowitz und Rawlings:

Brutale Szenen könnten auf die Schädigungen des Opfers lenken. Dadurch entstehen Schuldgefühle. Die Person reagiert auf eigenes aggressives Verhalten mit Selbstbestrafung. Die beiden Autoren gestalteten ein Experiment (5), wo zwei Versuchsgruppen einen Boxkampf im Fernsehen sahen.

VG1: Das Opfer sei ein brutaler Mensch = gerechtfertigte Aggression

VG2: Das Opfer sei ein sympathischer Mensch = ungerechtfertigte Aggression

 

Ein Film, der die Schmerzen des Opfers zeigt, wirkt hemmend und einer, der den Aggressor zeigt wirkt förderlich.

Baron, Geen und Goranson konnten dies bestätigen. Bei sehr verärgerten Personen tritt ein gegenteiliger Effekt auf. (nach Baron und Hartmann)

Es werden aggressive Verhaltensweisen gelernt.

Die Wahrscheinlichkeit der nachahmenden Ausführung und deren Dauerhaftigkeit wird erhöht:

1)     Wenn der Aggressor verstärkt wird.

2)     Wenn die stellvertretenden Verstärkung intermittierend und unregelmäßig ist.

3)     Wenn die aggressive Person vom Beobachter positiv bewertet wird.

4)     Wenn der Imitator erwartet, für sein aggressives Verhalten verstärkt zu werden

5)     Wenn Zielpersonen vorhanden sind, die dem Opfer ähnlich sind

6)     Wenn der Film spannend ist

7)     Wenn die dargestellte Aggression gerechtfertigt erscheint

8)     Wenn der Film in erster Linie die Handlungen des Aggressors zeigt und weniger die des Opfers.

9)     Wenn der Zuschauer eine positive Einstellung zu aggressiven Verhaltensweisen hat.

 

Negative Gefühle und Aggression:

Beide Definitionen schaden einer Person.

Bei der Instrumentellen geht es darum, einen Vorteil zu erlangen oder Nachteile zu vermeiden.

Bei der feindseligen ist die aggressive Handlung und das resultierende Ergebnis Selbstzweck.

 

Bei der kalten Aggression treten keine Gefühle während der Handlung auf und bei der zweiten spielen Emotionen eine große Rolle.

 

Die instrumentelle Aggression ist häufig ohne Gefühle gekennzeichnet, während die feindselige von starken Gefühlen begleitet ist. Es gibt natürlich viele Mischformen: Bsp Bankräuber.

Berkowitz und Heimer:

Hypothese, dass aversive Erlebnisse jeder Art (Schmerz, ...) die Bereitschaft zu Flucht und Aggression erhöhen. Aversive Situationen bewirken ein negatives Erlebnis und erhöhte Tendenz zu bestimmten Verhaltensweisen. Die Annahmen stützen sich auf Tier und Humanversuche und Beobachtungen in Realsituationen (Berkowitz und Fürntratt) BSP: Auf Lichtreize reagierten die Tiere mit aggressivem Verhakten, es handelt sich dabei wohl um Reflexe beziehungsweise Instinkte.(Ulrich und Arzin)

Solche Ergebnisse wurden auch im Humanbereich festgestellt. Auslöser sind Kälte, Hitze, unangenehme Filme, Zigarettenrauch und schlechte Gerüche.

Experiment (6) nach Berkowitz und Mitarbeiter:

Zwei Versuchsgruppen konnten belohnen und bestrafen.

VG 1: Hand in 6°Grad kaltem Wasser

VG2: Hand in 18°- 23° warmen Wasser

Die Vg1 belohnte weniger und bestrafte mehr als die Vg2.

 

Frustration und Ärger lösen Aggressionstendenzen aus, müssen aber nicht zu offener Aggression führen. Das Auftreten hängt von der situativ bedingten und dispositionellen Aggressionshemmung ab. Aversive Situationen lösen negative Gefühle aus, und dessen Intensität kann durch Primingeffekte erhöht werden. Kognitive Prozesse spielen eine große Rolle.

 

Attributionstheoretischer Ansatz:

Durch ungerechtfertigte Frustration wird mehr Aggression ausgelöst als durch gerechtfertigte. Eine Person handelt nicht wegen einer unfairen Behandlung aggressiv, sondern wegen der negativen Gefühle durch die unfaire Behandlung.

Instrumentelle Aggression wird durch die Wahrnehmung der leidenden Person gehemmt, bei der feindseligen ist das Gegenteil der Fall.

Experiment (7) Ulrich und Craine: Ratten die wegen einem elektrischen Schlag anfingen zu kämpfen hörten nicht auf obwohl während des Kampfes der Strom nicht abgeschaltet wurde.

Sebastian zeigte, dass verärgerte Personen umso schadenfreudiger waren wenn ein unhöflicher frecher Mensch besonders litt. Gegenüber dritten waren sie besonders aggressiv.

 

Berkowitz: Je mehr aversive Situationen jemand erlebt, desto mehr sind gespeichert im LZG, desto wahrscheinlicher ist aggressives Verhalten.

 

Cason befragte1000 Personen (m + w, 10 – 90 Jahren) wie sehr sie sich im Alltag ärgern. Die Vpn beurteilten 507 Alltagsereignisse auf einer Skala von 0 – 30. Wie groß muss nun das Aggressionspotenzial sein?

 

Altruismus                                                                                                                               Referatsgruppe vom 7.11.2002

                                                                                                                                                  Verena Aschenbrenner, 0001325

 

 

 

Als altruistisch werden jene Verhaltensweisen bezeichnet, die hauptsächlich dadurch motiviert sind, dem Interaktionspartner nützen zu wollen.

 

In der Terminologie von DEUTSCH (1973) sind altruistische Handlungen durch die Motivation max (b) gekennzeichnet (die Auswirkungen des eigenen Verhaltens sollen für den Interaktionspartner möglichst positiv sein).

 

Als Spezialfälle des Altruismus sind folgende Intentionen zu betrachten:

 

 

Auch für altruistische und kooperative Verhaltensweisen gilt, dass deren Häufigkeit durch gezielte Verstärkung angehoben werden kann. Einige früher referierte Experimente (APFEL-BAUM, 1967; Solomon, 1960) zeigten deutlich, dass die Häufigkeit von kooperativen Entscheidungen zunimmt, wenn sie belohnt werden. Allerdings dürfte hier nur gezielte Belohnung die beabsichtigte Wirkung haben.

 

Werden kooperative und aggressive Verhaltensweisen eines Menschen gleichermaßen belohnt, kommt es eher zu einer Zunahme der Aggressivität als der Kooperationsbereitschaft!

 

Ferner wurde nachgewiesen, dass kooperatives Verhalten häufig auftritt, wenn ein großer Anreiz dafür vorhanden ist (Erwartung einer hohen Belohnung) oder wenn massive Bestrafung für Nichtkooperation zu erwarten ist. (RAPOPORT und CHAMMAH, 1965)

Oft genügen schon ganz subtile, nichtmaterielle Verstärker, um kooperatives Verhalten aufzubauen.

 

Sicher spielt auch die Einstellung zu altruistischem bzw. kooperativen Verhalten eine Rolle. Dies wurde insbesondere in Experimenten nachgewiesen, bei denen das Gefangenendilemma verwendet wurde (AJZEN und FISHBEIN, 1970; DEUTSCH 1960)

 

Je positiver man kooperatives Verhalten bewertet, desto häufiger handelt man entsprechend. Eine positive Einstellung zu altruistischen Verhaltensweisen bietet die Möglichkeit wirksamer Selbstverstärkung. Jede altruistische Handlung kann bei Vorliegen einer entsprechenden Einstellung durch Selbstlob oder Stolz belohnt werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die äußerst wichtige Rolle der Einstellungen zu altruistischem Verhalten wurde in mehreren neueren Untersuchungen bestätigt. POMAZAL und JACCARD sowie ZUCKERMANN und REIS konnten nachweisen, dass die Entscheidung, Blut zu Spenden oder nicht, in hohem Maß von der Einstellung zum Blutspenden abhängt.

 

Wie bei der Aggression ist auch beim Altruismus das Lernen durch Beobachtung ein wichtiger Faktor.

 

BSP:

GRUSEC und GRUSEC und SKUBISKI wiesen nach, dass Kinder eher bereit sind, die Hälfte der in einem Spiel gewonnenen Glaskugeln an arme Kinder zu verschenken, nachdem eine Modellperson ebenso gehandelt hat.

Dabei ist es auch von Bedeutung, ob die Modellperson bloß eine Handlungsintention ausspricht oder tatsächlich das Verhalten ausführt.

Im zweiten Fall kommt es häufiger zu (nachahmenden) altruistischen Verhaltensweisen seitens der Vpn. Ferner wird eine beliebte Modellperson eher imitiert als eine neutrale.

 

Altruistisches Verhalten ist situationsabhängig.

Es kommt häufiger zu altruistischem Verhalten, wenn es bedeutsame Konsequenzen für den Partner hat.

Vpn waren um so mehr bereit, viel zu arbeiten (und zwar ohne Belohnung), je größer der Einfluss ihrer Leistung auf die Bewertung eines „Aufsehers“ war. (BERKOWITZ und DANIELS, 1963; BERKOWITZ und CONNOR, 1966)

 

Man ist auch eher geneigt, einem Menschen zu helfen, von dem man bereits Hilfe erhalten hat, als einem Menschen, der früher eine Hilfeleistung verweigerte. (GORANSON und BERKOWITZ, 1966)

 

Die eben referierten Ergebnisse (größere Hilfsbereitschaft bei einem „abhängigen“ Partner und Reziprozität des altruistischen Verhaltens) können durch mindestens zwei Erklärungsprinzipien begründet werden.

 

1)     Es ist denkbar, dass abhängige und hilfsbereite Interaktionspartner diskriminative Reize für altruistisches Verhalten sind (weil altruistisches Verhalten gegenüber solchen Personen oft verstärkt wurde, während altruistisches Verhalten gegenüber mächtigen, unabhängigen und egoistischen Personen nicht oder selten verstärkt wurde)

2)     Ein zweiter Erklärungsvorschlag nimmt an, dass soziale Normen in bezug auf Hilfsbereitschaft angesichts abhängiger und hilfsbereiter Stimuluspersonen bewusst werden, und dass dann den Normen entsprechend gehandelt wird.

 

Jedoch brachte der Versuch einer experimentellen Überprüfung dieser Hypothese ein negatives Ergebnis! (BERKOWITZ, 1972)

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Hindernis für altruistisches Verhalten sind aversive Konsequenzen oder Begleitumstände. Nach einem unangenehmen Erlebnis (Misserfolg) ist die Hilfsbereitschaft geringer als nach einem Erfolgserlebnis (BERKOWITZ und CONNOR, 1966).

 

In einer Reihe von Experimenten wurde gezeigt, dass die Wahrscheinlichkeit von Hilfeleistungen mit der Zahl anwesender Personen (Zuschauer) abnimmt.

 

Als Erklärungsvorschlag bieten die Autoren die Hypothese der „Aufteilung der Verantwortung“ an. Im vorliegenden Kontext besagt diese Hypothese, dass jeder die Verantwortung auf andere abschiebt und von den anderen erwartet, dass sie helfend eingreifen.

 

Eine andere Erklärungsmöglichkeit ist die Annahme, dass die Passivität der anderen Bobachter zu dem Schluss verleitet, man hätte die Situation falsch wahrgenommen (z.B. dramatisiert) und in Wahrheit wird gar keine Hilfe benötigt.

 

Solche Situationen kann man als einen bestimmten Spezialfall sozialer Fallen, nämlich als Freiwilligendilemma (DIEKMANN 1985, 1960) betrachten.

 

Die Bereitwilligkeit zur Aufteilung von Verantwortlichkeit wird verständlich, wenn man bedenkt, dass altruistisches Verhalten häufig mit hohen Kosten (in Form von Anstrengung, Zeitaufwand usw.) verbunden ist.

 

 Eine weitere Besonderheit der Verhaltensklasse Altruismus besteht darin, dass hier Empathie (Einfühlung, Mitleid) eine wesentliche vermittelnde Rolle spielt.

In der gegenwärtigen sozialwissenschaftlichen Literatur wird u.a. von WISPÉ und BATSON, 1978, die Bedeutung von Einfühlung und Mitleid betont.

 

COKE, BATSON und MCDAVIS, 1978, bestätigen in zwei Experimenten die Hypothese, dass altruistisches Verhalten durch Empathie gefördert wird. Die Autoren betrachten Empathie als einen Prozess, der aus zwei Komponenten besteht.

 

Der Beobachter muss sich zunächst in seiner Vorstellung in die Situation der Stimulusperson versetzen (kognitive Komponente), dadurch entsteht emotionale Anteilnahme (emotionale Komponente) und dadurch wird die Motivation zur Hilfeleistung erhöht.

 

Gerechtigkeit

 

Gerechtigkeit bezieht sich immer auf beide (oder alle) Interaktionspartner. Gerechtigkeit liegt dann vor, wenn kein Interaktionspartner unbegründete Vor- und Nachteile (im Vergleich zum anderen oder auf Kosten des anderen) hat.

 

Die neuere Gerechtigkeitsforschung verwendet einen präziseren Gerechtigkeitsbegriff. Es wird davon ausgegangen, dass jeder Interaktionspartner Beiträge leistet (in Form von Zeitaufwand, Anstrengung, Fähigkeiten, etc.) und Ergebnisse erzielt.

 

Von zentraler Bedeutung sind die Verhältnisse zwischen den Ergebnissen und den Beiträgen der einzelnen Interaktionspartner, wobei es nicht um die objektiven Verhältnisse geht, sondern um die Wahrnehmung dieser Verhältnisse.

 

Nach Adams ist für Person A eine Situation gerecht oder ausgeglichen, wenn sie wahrnimmt, dass das Verhältnis zwischen ihren Ergebnissen (outcomes OA) und ihren Beiträgen (inputs IA) gleich dem Verhältnis zwischen Ergebnissen und Beiträgen des Partners B ist.

 

OA = OB

 IA      IB

 

Es ist jedoch möglich, dass B (oder eine dritte Person) die gleiche Situation anders wahrnimmt.

 

Walster, Berscheid und Walster definieren Gerechtigkeit als die Wahrnehmung gleicher Verhältnisse zwischen Gewinn und Beitrag, wobei Gewinn die Differenzierung zwischen Ergebnis und Beitrag ist.

 

OA – IA = OB – IB

       IA             IB

 

Die Gerechtigkeitstheorie (equity-theory) von Walster besteht aus vier zentralen Annahmen und einigen abgeleiteten Hypothesen.

 

Die vier Hauptannahmen sind:

 

1)     Individuen versuchen, ihre Ergebnisse zu maximieren

 

2)     Da das unbeschränkte Gewinnstreben der einzelnen Personen vielen Menschen schaden würde, werden von Gruppen Normen für die gerechte Verteilung von Belohnung und Kosten festgelegt.

Eine solche Norm ist die Gleichheit der Verhältnisse zwischen Gewinn und Beitrag für alle Mitglieder.

Gruppen achten auf die Einhaltung dieser Norm, indem sie jene Mitglieder belohnen, die sich gerecht verhalten und diejenigen bestrafen, die ungerecht sind.

 

3)     Wenn sich jemand in einer ungerechten Beziehung befindet, ist das für ihn unangenehm. Das Unbehagen ist um so größer, je größer die Abweichung von der Gerechtigkeitsnorm ist.

 

4)     Personen, die sich in einer ungerechten Beziehung befinden, versuchen, ihr Unbehagen zu beseitigen, indem sie wieder Gerechtigkeit herstellen. Je größer die Ungerechtigkeit ist, desto größer ist der aversive Spannungszustand und desto stärker ist die Motivation zur Wiederherstellung von Gerechtigkeit.

 

Die Annahme 3 und 4 bedürfen noch einiger klärender Kommentare:

 

Ad3) es gibt zwei Typen von Gerechtigkeit. Das Missverhältnis von Gewinn und Beitrag kann für A günstig

 

OA – IA  >  OB – IB

      IA              IB

 

Oder ungünstig sein.

 

OA – IA  <  OB - IB

      IA               IB

 

Im ersten Fall ist A ein Ausbeuter, im zweiten Fall Opfer. Die aversiven Zustände werden in den beiden Fällen vom Betroffenen unterschiedlich interpretiert.

Im ersten Fall kann er zb Schuld oder Angst (vor zb Vergeltung) empfinden,

im zweiten Fall Ärger.

Allerdings sollte im ersten Fall im allgemeinen weniger Unbehagen entstehen als im zweiten, denn die für A vorteilhafte Ungerechtigkeit kommt dem angenommenen Streben nach Gewinnmaximierung entgegen.

 

Ad4) Gerechtigkeit kann auf zwei Arten wieder hergestellt werden – real oder psychologisch, d.h. objektiv oder subjektiv. In jedem Fall kann die Wiederherstellung durch eine entsprechende Veränderung in einer der vier Komponenten der Formel (OA, IA, OB, IB) erfolgen, oder durch eine beliebige Kombination solcher Veränderungen.

 

Was kann etwa ein Arbeiter, der sich im Verhältnis zu seiner Leistung und im Vergleich zu seinem Arbeitgeber unterbezahlt fühlt, tun?

 

Er kann:

 

·       Gerechtigkeit wiederherstellen, indem er OA ändert (eine Gehaltserhöhung) fordert,

·       IA ändern (häufig wegen Krankheit von der Arbeit fernbleibt),

·       OB ändern (langsamer arbeitet und daher weniger produziert), und/oder

·       IB ändern (etwa durch Zerstörung von Betriebseigentum, das dann erneuert werden muss).

 

Häufig sind die verschiedenen Möglichkeiten der Gerechtigkeitsherstellung nicht unabhängig voneinander. Im obigen Beispiel bewirkt eine Änderung von OA auch eine Änderung von IB, die Änderung von IA bewirkt eine Änderung von OB usw...

 

 

 

 

 

 

Auch die subjektive Gerechtigkeitsherstellung kann an jeder Komponente der Formel ansetzen.

 

Zum Beispiel könnte ein Ausbeuter subjektiv

OA ändern (seinen Gewinn bagatellisieren)

IA ändern (seine Beiträge überschätzen)

OB ändern (die Ergebnisse von B überschätzen) und/oder

IB ändern (die Beiträge von B bagatellisieren oder B generell abwerten)

 

 

ADAMS erwähnt noch andere Möglichkeiten, unter anderem das Verlassen der Beziehung.

 

·       Ein beträchtlicher Mangel der Gerechtigkeitstheorie besteht darin, dass bis jetzt keine genauen Hypothesen darüber vorliegen, auf welche Art nach einer Störung des Gleichgewichts der Optimalzustand wiederhergestellt wird.

Vermutlich wird reale Gerechtigkeitsherstellung bevorzugt, sofern sie nicht mit allzu hohen Kosten verbunden ist.

 

·       Ein Vorteil der Gerechtigkeitstheorie besteht darin, dass sie es erlaubt, verschiedene Forschungsgebiete unter einem einheitlichen Gesichtspunkt zu betrachten, wobei mitunter neue Einsichten gewonnen werden oder zumindest auf bisher unbeachtete Aspekte hingewiesen wird.

 

Beispiele dafür sind Aggression und Altruismus

 

·       Ein Aggressor erzeugt Ungerechtigkeit, wenn er für das Opfer ungerechtfertigte negative Erlebnisse (zb Beleidigungen oder Schmerzen) bewirkt. Als Folge der Ungerechtigkeit sollte er Schuldgefühle empfinden und versuchen, wieder einen ausgewogenen Zustand herzustellen, sei es objektiv durch Entschädigung des Opfers oder subjektiv durch Abwertung des Opfers.

 

Auch das Opfer wird bestrebt sein, einen Ausgleich herzustellen, z.b. durch Vergeltungsmaßnahmen. Falls das Opfer das tut, nimmt die Wahrscheinlichkeit einer Entschädigung durch den Täter ab.

 

·       Ähnlich sollte der Empfänger einer spontanen Hilfeleistung nicht nur angenehme Gefühle der Erleichterung haben. Er ist in seinen Ergebnissen gegenüber dem Helfenden im Vorteil und müsste einen Ausgleich – etwa in Form einer Gegenleistung anstreben, oder er könnte subjektiv sein Leiden übertreiben und damit die Hilfeleistung rechtfertigen.

 

Ein weiteres Anwendungsgebiet der Gerechtigkeitstheorie ist die Analyse von Beziehungen zwischen Sexualpartnern.

 

 

Experiment:

 

Vpn, insgesamt 500 männliche und weibliche Studenten mussten zunächst auf 8 Punkte Skalen das Ausmaß und die Qualität (positiv sowohl als auch negativ) ihrer Beiträge und Ergebnisse in der Beziehung sowie die Beiträge und Ergebnisse ihrer Partner beurteilen.

Außerdem wurden sie gefragt, wie glücklich, zufrieden, verärgert und schuldig sie sich fühlen und wie stabil die Beziehung ist.

 

Aufgrund ihrer Antworten wurden die Vpn in mehrere Gruppen aufgeteilt:

Vpn in einer ausbeutenden, gerechten oder benachteiligten Position.

In Übereinstimmung mit der Theorie stellte sich heraus, dass die Vpn in gerechten Beziehungen besonders glücklich und zufrieden waren und sich kaum verärgert oder schuldig fühlten. Außerdem waren gerechte Beziehungen stabiler als unausgeglichene.

 

Nachzulesen in Tabelle 77, Buch Seite 437

 

Es gibt auch zahlreiche kritische Einwände, wie zb die Belohnungsaufteilung in Dyaden und Gruppen. (Gleichheit der Verhältnisse zwischen Gewinn und Beitrag für alle Partner)

 

Beispiel:

 

Zwei (oder mehr) Vpn führten gleichzeitig eine Arbeit durch. Anschließend erhalten sie (häufig fingierte) Rückmeldungen über ihre Leistungen (zb dass die Leistungen von A und B im Verhältnis 1 zu 1,5 stehen). Am Schluß des Experiments soll jede Vpn vorschlagen, wie das gemeinsam verdiente Geld aufgeteilt werden soll.

 

In Experimenten dieser Art zeigte sich wiederholt, dass Vpn nicht immer für eine leistungsproportionale Aufteilung stimmen, sondern oft für eine Gleichverteilung des Gewinns.

 

In diesem Zusammenhang spielt Sympathie eine wichtige Rolle. Wenn die Vpn eine positive Einstellung zueinander haben, einigen sie sich oft auf Gleichaufteilungen. Ferner beanspruchen Vpn mit einem sympathischen Partner einen geringeren Anteil für sich als bei einem unsympathischen Partner, und zwar unabhängig vom Ausmaß ihres Beitrages.

 

Daher nehmen viele Autoren an, dass es unterschiedliche situations- und persönlichkeitsabhängige Gerechtigkeitsnormen gibt.

 

 

Wichtig ist auch die Ergänzung der Gerechtigkeitstheorie durch den Begriff der allgemeinen oder ausgleichenden Gerechtigkeit.

 

Allgemein ausgedrückt: wenn jemand in bestimmten Beziehungen besser oder schlechter behandelt wurde, als er es nach seiner Meinung verdient, versucht er, das in anderen Beziehungen wieder auszugleichen.

 

Die Autoren betonen, dass Person A ihr Verhältnis zwischen Gewinn und Beitrag nicht nur mit dem momentanen Partner B vergleicht, sondern auch mit anderen Partnern, und, dass sie unter bestimmten Bedingungen versuchen wird, Ungerechtigkeiten in der Beziehung mit B bei einer dritten Person auszugleichen.

Wenn sie von B überbelohnt wurde, wird sie ihrerseits eine dritte Person c mehr als beitragsproportional belohnen, und wenn sie von B ausgebeutet wurde, wird sie versuchen, ihren Mangel auf Kosten von C zu beseitigen.

 

Beziehungen:

Wie wir schon gehört haben, kann die Gerechtigkeitstheorie zur Analyse langfristiger Beziehungen (Ehe, Freundschaft) verwendet werden. Inzwischen liegen mehrere Untersuchungen dieser Art vor. Die Ergebnisse unterstützen nur teilweise die Gerechtigkeitstheorie.

Die Qualität einer Beziehung (Stabilität, positive Gefühle, usw.) hängt nach einigen Untersuchungen von der Ausgewogenheit der Beziehung im Sinn der Gerechtigkeitstheorie ab. Andere Untersuchungen haben ergeben, dass Gerechtigkeit entweder keine oder zumindest eine viel geringere Rolle als andere Variablen spielt (z.B. BERG, 1984; LUJANSKY und MIKULA, 1983).

 

MICHAELS, EDWARDS und ACOCK untersuchten 1984 die Zusammenhänge zwischen Zufriedenheit mit der Beziehung und vier anderen Variablen, nämlich Gerechtigkeit, Gleichheit (der Ergebnisse), Höhe der Ergebnisse, und Differenz zw. Ergebnishöhe und Vergleichsniveau.

Sowohl Gerechtigkeit als auch Gleichheit standen nur in einem relativ schwachen Zusammenhang mit Zufriedenheit (die entsprechende Korrelation betrug 0,42 bzw. 0,40). Für die Differenz zw. Ergebnishöhe und Versuchsniveau war der Zusammenhang bereits wesentlich größer (r = 0,61). Der deutlichste Zusammenhang wurde jedoch für die einfache Ergebnishöhe nachgewiesen (r = 0,65).

 

MICHAELS interpretierte diese Daten als Unterstützung einer Verstärkerhypothese: Wie zufrieden man in einer Beziehung ist, hängt nicht so sehr vom Ausmaß der Gerechtigkeit oder Gleichheit ab, sondern ganz einfach davon, wie viel und wie gute Belohnung man bekommt. Die Verstärkerhypothese ist aber vermutlich zu einfach, denn aufgrund lernpsychologischer Überlegungen müsst eine neg. Korrelation zw. Kosten (od. Strafreizen) und Zufriedenheit bestehen. Daher müsste auch die Variable Belohnung minus Kosten die Zufriedenheit besser voraussagen als die Variable Belohnung plus Kosten.

 

Genau das war bei HAYS (1985) nicht der Fall, sondern es war – im Gegenteil – die Variable Belohnung plus Kosten der bessere Prädikator der Beziehungsqualität.

Dies auf den ersten Blick merkwürdige Resultat wird verständlich, wenn man bedenkt, dass es – zumindest in manchen Beziehungen – altruistische Motive gibt: Man will dem Partner nützen, und ihm helfen, seine Bedürfnisse zu befriedigen. Je stärker das altruistische Motiv ist, desto mehr Kosten wird man für den Partner auf sich nehmen, aber desto zufriedener wird man dadurch auch sein.

 

Im Licht dieser Überlegung kann man zwei Typen von Beziehungen unterscheiden:

Einerseits gibt es eher rational fundierte, „geschäftsmäßige“ Beziehungen, die nach den Regeln der Gerechtigkeitstheorie funktionieren (wenn ein Partner etwas „investiert“, muss das vom Partner möglichst schnell „bezahlt“ werden, wodurch die Gerechtigkeit erhalten bleibt), und andererseits eher emotional fundierte Beziehungen, in denen die Partner Empathie und Verantwortung füreinander fühlen, wodurch sowohl hohe Belohnungen als auch hohe Kosten entstehen.

Die meisten Beziehungen sind einen Mischform, wobei der ein oder andere Beziehungstyp überwiegen kann.

 

Ähnliche Unterscheidungen wurden von MILLS und CLARC (1982) getroffen. Sie unterscheiden zw. Austauschbeziehungen (exchange relationships) und Gemeinschaftsbeziehungen (communal relationshiops).

In Austauschbeziehungen werden Belohnungen als Reaktion auf erhaltene oder erwartete Belohnungen gegeben.

In Gemeinschaftsbeziehungen fühlt sich jeder Partner für das Wohlbefinden des anderen verantwortlich und belohnt als Reaktion auf Partnerbedürfnisse und um sein Wohlwollen zu zeigen.

 

Nach MIKULA und SCHWINGER hängt das Belohnungsverhalten vom Ausmaß der Sympathie und der positiven Gefühle ab.

In einer neutralen Beziehung wird nach dem Gerechtigkeitsprinzip belohnt. Mit steigernder Sympathie wird zunächst zum Gleichheitsprinzip und schließlich – bei sehr positiven Gefühlen – zum Bedürfnisprinzip übergegangen. Diese Ergebnisse stimmen mit Ergebnissen von LAMM und SCHWINGER ( 1983) überein.

 

In einer Reihe von Untersuchungen haben CLARK und MILLS gezeigt, dass Personen, die eine Gemeinschaftsbeziehung erwarten völlig anders reagieren als Personen, die eine Austauschbeziehung erwarten.

Zum Beispiel reagierten Vpn, die eine (distanzierte) Austauschbeziehung erwarteten, positiv auf die sofortige „Rückzahlung“ einer Gefälligkeit und auch auf die Forderung nach Ausgleich bereits erhaltener Gefälligkeiten. Wenn dagegen eine Gemeinschaftsbeziehung (Freundschaft) erwartet wurde, reagierten Vpn. Negativ auf sofortige „Rückzahlungen“.

 

Langfristige Beziehungen sind durch ein beträchtliches Ausmaß an Ähnlichkeit bzw. Übereinstimmung zw. den Partnern gekennzeichnet (BUSS, 1984). Ehepartner zeigen Ähnlichkeiten in physischen (Alter, Größe, Gewicht) und psychischen Variablen (Persönlichkeitsmerkmale, Einstellungen, Verhalten). Man kann annehmen, dass diese Ähnlichkeiten in vieler Hinsicht belohnend wirken. Sie erleichtern die Planung und Koordination von Handlungen (gemeinsame Wünsche), und ermöglichen gegenseitige Selbstbildbestätigungen.

Nach ROSENBAUM, 1986, wirkt allerdings Einstellungsähnlichkeit nur unter bestimmten Umständen belohnend und anziehend, während Einstellungsgegensätze auf jeden Fall abstoßend wirken.

 

Auch Attributionen spielen in Beziehungen eine Rolle.

Es gibt bestimmte Attributionstendenzen, die für gute, bzw, schlechte Beziehungen charakteristisch sind.

In schlechten Beziehungen gibt es Attributionsmunster, die den Partner abwerten: Seine negativen Handlungen werden in höherem Maß auf interne, stabile und globale Ursachen (Dispositionen) zurückgeführt als in guten Beziehungen, während seine positiven Handlungen stärker auf externe, variable und spezifische Ursachen (Situationsfaktoren) zurückgeführt werden.

In guten Beziehungen dagegen gibt es ausgesprochen wohlwollende Attributionstendenzen: Das Verhalten des Partners wird häufig in vorteilhafterer Weise erklärt als das eigene Verhalten.

 

Ein weiterer wichtiger Aspekt von Beziehung ist die Selbstöffnung (self-disclosure). Dies bedeutet, dass man sich dem Partner nicht verschließt, sondern dass man vielmehr Einblick auch in sehr private und intime Gedanken, Gefühle und  Wünsche ermöglicht. Langfristige und/oder emotional fundierte Beziehungen weisen ein höheres Maß an Selbstöffnung auf als kurzfristige und/oder gefühlsmäßig neutrale Beziehungen.

 

Die Theorie der sozialen Durchdringung (social penetration theorie) von ALTMAN und TAYLOR (1973) behauptet, dass sich Beziehungen von anfangs oberflächlichen zu immer tieferen Formen entwickeln. Umgekehrt nimmt die Selbstöffnung ab, wenn die Intimität einer Beziehung (d.h. psychologische Nähe zum Partner und Intensität der Zuneigung) kleiner wird.

TOLSTEDT und STOCKES (1984) zeigten, dass mit abnehmender Intimität einer Beziehung die Breite der Selbstöffnung zurückgeht (man spricht über weniger Themen miteinander), wobei außerdem neg. Inhalte immer häufiger werden. Während die Breite der Selbstöffnung mit abnehmender Intimität geringer wurde, nahm die Tiefe (Privatheit) der Selbstöffnung weiterhin zu.

 

Bezüglich der bevorzugten Arten von Beziehungen und der bevorzugten Partner gibt es große interindividuelle Unterschiede. Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die Selbstüberwachungstendenz. Für starke Selbstüberwacher scheit bei der Partnerwahl das Aussehen des Partners wichtiger zu sein als dessen Persönlichkeit. Bei schwachen Selbstüberwachern verhält es sich umgekehrt (SYNDER, BERSCHEID und GLICK, 1985).

Schwache Selbstüberwacher scheinen außerdem dauerhafte und enge Beziehungen zu bevorzugen, währen starke Selbstüberwacher zu zahlreichen und kurzen Beziehungen neigen.

 

HAZAN und SHAVER (1987) unterscheiden drei Arten von Liebe und Beziehungen:

1)     Sichere Personen glauben an dauerhafte Liebe, halten andere Menschen für vertrauenswürdig, und sich selbst für liebenswert.

2)     Vermeidende Personen bezweifeln die Existenz dauerhafter Liebe, und glauben, dass sie keine Partner brauchen, um glücklich zu sein.

3)     Ängstlich-ambivalente  Personen verlieben sich leicht, aber es ist schwer für sie eine dauerhafte Beziehung zu finden. Weil sie ihre Gefühle der Unsicherheit nicht unterdrücken oder verdrängen, haben sie mehr Selbstzweifel als Angehörige der anderen beiden Personenkategorien.

 

Dieser Theorie entsprechend konnten die interindividuellen Unterschiede mit unterschiedlichen Elternbeziehungen in der Kindheit in Zusammenhang gebracht werden. Sichere Vpn berichteten positivere Beziehungen zu beiden Eltern und auch zwischen den Eltern als die beiden anderen Gruppen. Vermeidende Vpn beschrieben ihre Mütter als kalt uns abweisend. Viele ängstlich-ambivalente Vpn hatten zwar sympathische und humorvolle Mütter, aber ungerechte Väter.